Artikel Bernd Seidl vom 01.02.2007

Wenn Gen-Mais die Felder verseucht

Bühl. Gentechnik in der Landwirtschaft: Welche Folgen hat das für Bauern und Verbraucher? Diese Frage stellte die überparteiliche Arbeitsgruppe „Essen ohne Gentechnik“ im Bühler Bürger- und Kulturzentrum Forum am vergangenen Donnerstag.

Im Mittelpunkt des Abends stand der Dokumentarfilm „Leben außer Kontrolle“ von Bertram Verhaag und Gabriele Kröber. Die beiden Filmemacher zeigen, wie sehr der Anbau von Gen-Mais und Gen-Raps das Leben der Bauern verändert. Konventionelle Bauern und Biobauern in Kanada beispielsweise haben keine Chance mehr, herkömmlichen Mais oder Raps anzubauen. Ihre Felder werden mit den Samen der gentechnisch manipulierten Pflanzen regelrecht verseucht.

Schaden richten Gen-Pflanzen vor allem auch in den Ländern der „Dritten Welt“ an, wie der Film zeigt. Beispiel Indien. Dort haben Baumwollbauern einem von dem internationalen Agro-Konzern „Monsanto“ entwickelten Saatgut vertraut. Angeblich sollte die gentechnisch veränderte Pflanze resistent gegen einen Schädling sein. Doch das Gegenteil war offenbar der Fall: der Ertrag ging zurück, die Bauern konnten ihre Schulden nicht mehr bezahlen.

Im Anschluss an die Filmvorführung diskutierten die rund 30 Besucher der Veranstaltung über den Einsatz von Gentechnik in Landwirtschaft und in Lebensmitteln. Bei der Abwägung der gesundheitlichen Gefahren für die Menschen, könne man zum jetzigen Zeitpunkt keine verlässlichen Aussagen treffen, sagte die Sprecherin der Arbeitsgruppe „Essen ohne Gentechnik“, Ingrid Walter. Es fehle an Langzeituntersuchungen, sowohl bei Tieren als auch bei Menschen. Allerdings seien bei Kurzzeitfütterungsversuchen an Mäusen und Ratten krankhafte Veränderungen festgestellt worden.

 

„Am besten ist es, man stimmt mit dem Kochtopf ab“, so Ingrid Walter. „Die Verbraucher in Deutschland müssen aktiv zeigen, dass sie genveränderte Lebensmittel nicht wollen.“ Aber auch das Engagement von Landwirten und Kommunen sei sehr wichtig, um den Vormarsch der Gentechnik zu stoppen. „Bis jetzt hat die Agrogentechnik keinen Nutzen oder Mehrwert für den Verbraucher. Die Zerstörung der Artenvielfalt, die zunehmende Abhängigkeit der Landwirte von den Saatgutkonzernen, die Haftungsstreitereien zwischen den Bauern durch die Verunreinigung ihrer Felder, all dies sollte man bedenken bei dieser Technologie“, meinte Ingrid Berger vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Bühl/Baden-Baden.

Die Bühler Arbeitsgruppe „Essen ohne Gentechnik“ hat sich zum Ziel gesetzt, über die Gefahren von gentechnisch veränderten Organismen und Lebensmittel zu informieren. Die Gruppe arbeitet eng mit dem BUND zusammen und setzt sich für die „gentechnikfreie Region Mittlerer Oberrhein“ ein – eine Initiative mehrerer Umweltverbände, Kirchen, Gewerkschaften, politischer Gemeinden, Landwirten, Unternehmen und vieler Einzelpersonen.


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